30.7.05

Militante Vegetarier




Wir sind, nach langer Wartezeit, endlich an der Spitze der Menschenreihe angekommen.
Der Gang nach vorne ist jedes einzelne Mal wieder eine Durststrecke der Willenskraft - je nach Durchhaltevermögen und Finanzkraft findet man einen persönlichen Kompromiss zwischen Hunger, ausgewogener Ernährung, persönlichem Geschmack und Kosten.
Meine Entscheidung ist gefallen, und das mache ich der gezwungen lächelnden Servicedame auch klar. Ich blicke ihr fest in die Augen und meine in ruhigem, bestimmten Ton: "Ein Menü, bitte. Mit Gemüsemac, Country Potatoes und einer mittleren Cola."
Die Reaktion läßt nicht lange auf sich warten: "Gemüsemac gibts nicht."
Das sagt die einfach so. Gibts nicht. Mein wohlkonstruiertes Gebäude an Selbstsicherheit und Zuversicht bröckelt langsam, aber sicher an tragenden Stellen.
"Wie, gibts nicht. Ausverkauft?" - "Nein, komplett aus dem Sortiment genommen."
Rumpel, Kompletteinsturz. Ich muß mich schon sehr beherrschen, sie nicht mit offenem Mund anzuglotzen - mir fehlt die Fassung, die Sprache ohnehin.
Aber der Ansatz zur Verzweiflung schlägt schnell in Zorn um. Meine ersten Gedanken kreisen um das Thema kundenorientiertes Sortiment, dann kommt mir wieder die derzeit übliche Großkonzernwillkür in den Sinn.
Aber die arme Angestellte mit Hungerlohn und perversen Arbeitszeiten kann ja auch nichts dafür. Also lächle ich mindestens ebenso verkrampft und bestelle, um wenigstens ein bißchen Protest zu üben, nur eine mittlere Portion Pommes.
  • Ein Tip nebenbei: kauft NIE die kleine Portion. Wenn man die große Tüte als Maßstab nimmt, dürfte die kleine eigentlich mengenmäßig gerade mal 50 Cent kosten - wer's nicht glaubt, kann gern den Inhalt einer großen Portion in drei kleine Tüten füllen. Verlangt wird aber für die kleine Portion ein ganzer Euro - für knapp 30(!) magere Kartoffelstäbchen. Nährwert insgesamt, schätzungsweise unter dem eines englischen Sandwich.
Während ich auf der Heimfahrt meine Pommes einzeln verspeise - auf dem Fahrrad funktioniert das ganz gut freihändig, solange es nicht gerade regnet - werden mir so langsam die Konsequenzen dieser Aktion bewußt.
MacD hat mit dieser Entscheidung, den GemüseMac aus dem Sortiment zu nehmen, die letzte Bastion für echte Vegetarier eingerissen. Niedergetrampelt mit schierer Finanzgewalt. Kein Mensch, den es beim Anblick der Fettbuletten in den sündhaft teuren Burgern ekelt, kann jetzt noch eine annähernd vollwertige Mahlzeit in diesem Restaurant erwerben. Es fehlt einfach an dem Herzstück des Mahls, dem Burger.
  • Zur Info für alle Nicht-Vegetarier: Der Inhalt eines Gemüsemac besteht aus einem flachen, frittierten Kloß, ein bißchen Tomaten, einem Salatblatt und etwas Mayo. Der Kloß besteht aber nicht, wie üblich, aus Fleischbrei, sondern aus einem Püree aus Erbsen- Kartoffel- und Paprikafleisch. Einzelne Erbsen sind auch am Stück zu finden. Eigentlich relativ schmackhaft, halbewegs anständig gewürzt und eine passable Alternative zum Fleischbatzen.
Nicht daß ich aus Prinzip alle Arten von Fleisch verabscheuen würde, nichts gegen einen ordentlichen Sauerbraten oder Nudeln mit Hühnchenbruststreifen oder einem Fischfilet - aber das Zeug, was bei McD auf den Burgern landet, sieht eher nach frittierter Geranien-Erde aus als nach Fleisch. Nicht einmal der ChickenMac ist zu empfehlen, der schmeckt nach Gummi. Und sämtliche Variationen aus der Fit&Fun-Ecke sind zwar halbewegs qualitativ, aber nur noch teuer.
Als ich zuhause ankomme - die Tüte im Vorbeifahren an einem Mülleimer passend entsorgt - bin ich irgendwie immer noch hungrig und werfe zu aller Erst mal den Herd an. Heute gibt es Kabeljau in Sahnesauce.

Fazit:
Nie wieder McD.
Vegetarier, an die Waffen, stürmt die Barrikaden.
Gebt kein Geld mehr für Sparmenüs aus - sondern ab zur Konkurrenz.
Burgerking verkauft nämlich noch Countryburger. Die sind fast dasselbe, nur mit Zwiebeln anstatt Tomaten...

20.7.05

Absurdum Fastfood



nächtlicher Bahnhof

Vorgestern ist es passiert.
Nach einer langen, ermüdenden und langweiligen Zugreise - nachts um 11 ist im öffentlichen Fernverkehr nur sehr wenig los - bin ich endlich an meinem Zielbahnhof angekommen. Während der Fahrt habe ich mich schon des Öfteren verflucht, daß ich gerade noch den letzten Zug an diesem Tag hatte nehmen müssen - der sich nochmal eine Stunde Fahrtzeit extra herausnimmt, mitten in der Nacht.
Nachdem alle Glieder sortiert, ermuntert und erfolgreich zu einer Nachtschicht bewegt worden sind, taumle ich hundemüde aus dem Zug.

Da ich glücklicher Fahrradbesitzer und - aus Finanzmangel für ein eigenes Auto - mit viel Gepäck zwangsläufiger Busfahrer bin, gilt mein erster Blick der Abfahrtstafel am Busbahnhof. Meine schlimmsten Befürchtungen erfüllen sich nicht, es kommt tatsächlich noch ein öffentliches Gefährt und ich muß die knapp vier Kilometer im leichten Nieselregen nicht zu Fuß hinter mich bringen. Der nächste Bus war immerhin schon in 27 Minuten angekündigt, was mir die neue, orange leuchtende, vollelektronische Abfahrtstafel auch gern bestätigte. Allerdings nicht ohne die hämische Nebenbemerkung, daß alle anderen Linien früher ankommen würden.
Ich beschließe, mich von hirn- und geistloser Elektronik nicht ärgern zu lassen und wackle dem nächsten Lichtblick der westlichen Zivilisation zu. Das große, leuchtende M ist nur dreissig Gehsekunden entfernt, und mein Magen meldet prompt, daß das Abendessen heute ausgefallen ist. Höchster Nachholbedarf.

An sich bin ich kein Fast-Food-Fan, im Gegenteil. Als studentischer Koch in der eigenen Küche - mehr Notlage als Leidenschaft - weiß ich ziemlich genau, welche Rohwaren man für ein qualitativ hochwertiges Essen braucht. Was das Ganze dann ungefähr kostet, sowohl Zeit als auch Geld, hat man auch ungefähr im Hinterkopf.
Und genau diese Überlegungen gehen einen durch den Kopf, wenn man im Billig-Restaurant steht und von Sonderangeboten visuell zugeschüttet wird.
Hier die Burger-Pommes-Cola-Kombination für nur 4,99 Euro ("9 Mark 80, da bekommt man einen guten Braten mit Kloß dafür..."), da der Fit-und-Vital-Fruchtsaft für atemberaubende 1,99 Euro. Im Viertel-Liter-Becher, selbstverständlich.
Aber die Leute kaufen wie kurz vor der Hungersepidemie, da drei Maximenüs und eine Apfeltasche, hier ein Milchshake, zwei Cheeseburger und ein Riesen-Fett-Fleisch-Burger (Sonderangebot - nur 2,99).

Wenn man da so in der Schlange steht, sich im Stillen überlegt, was hier eigentlich noch so annähernd im Preis-Leistungsverhältnis steht, und dabei das Absurdum Fastfood kennenlernt (das Warten in der Schlange dauert allein schon 10-15 Minuten, weil sich eine osteuropäische Bedienung allein an der Theke abrackert) - stellt man sich im Kopf natürlich die Liste zusammen, die man dann später als Bestellung aufsagen will.
Die allerwenigsten Leute bestellen spontan; das sind allerdings auch diejenigen, die auf die Frage "Cheese oder Bacon?" nicht aus dem Konzept geraten.


Geht euch das auch so?
--- Fortsetzung morgen ---

9.7.05

Dankeschön


Blumenstrauß


Sooo,

meine Seite bekommt seltsamerweise immer mehr Besucher, obwohl ich doch in letzter Zeit doch wirklich viel zu nachlässig mit kreativen Einfällen war...

Der Counter, den ich beim Seitenerstellen sicherheitshalber - mit einer gehörigen Prise Optimismus - auf dreistellig eingestellt habe, ist schon lang über die 500er-Marke hinweg! Wow!

Ich wollte einfach nur mal Danke sagen an alle, die das hier mehr oder regelmäßig lesen, obwohl mein Geschreibsel allerhöchstens mittelmäßig ist. Ich hoffe, ihr schaut auch in Zukunft öfter mal wieder rein.

An dieser Stelle ein großes Mea Culpa von mir - ich den ganzen Monat Juni über nur ganz wenige Artikel zusammengebracht. Traue mich jetzt gar nicht mal, da nachzuschauen, wie wenig es jetzt wirklich waren.
Aber ich bin auch nicht alleine schuld - in der Uni ist bis weit in die bekannten Sommerferien Klausurenzeit, und ich stehe ohnehin nicht gerade mit den prächtigsten Ergebnissen da. Und ich verspreche Besserung, hochheiliges Indianerehrenwort.
Sobald mir wieder was Schreibenswertes einfällt, setze ich mich sofort an den PC oder strample hinauf in die Uni, weil hier das Internet mal wieder streikt. Hauptsache ihr verliert hier nicht die Lust :)

Apropos Lust, ich würde gern mal ein bißchen Feedback hören.
Sind euch die Blogs zu lang? Zu langweilig? Zu wenig Bilder? Zu wenig Palm? Ich kann alles ändern, spannender schreiben oder sonst was.

Schreibt mir doch mal!
Meine Adresse ist ideenecke@googlemail.com - gebt mir alles!
Sogar Flaming ist erlaubt, solang es nur ernstgemeint ist.

Epilog:
Ein paar nette Daten aus meiner Counterstatistik...
  • Ideenecke lesen international: Leute aus Israel, Griechenland, Frankreich, der Schweiz, Österreich , Amerika und Polen.

  • Die beliebtesten Browser, mit denen Ideenecke angeschaut wird, sind:
    Firefox (58%) - Internet Explorer (22%) - Palm/Plucker (9,3%) - Opera (7,0%).
    (Das erinnert mich daran, daß ich immer noch eine PDA-optimierte Version schreiben wollte... dafür brauch ich aber HILFE!)

  • ...über Google findet man mich am skurrilsten durch die Suchbegriffe:
    "klingelton malboro" - "flash zeichnen artpad" - "bauchfreie mädchen"
    (natürlich funktioniert auch der Suchbegriff "ideenecke", da stehe ich im Moment noch auf Platz 6)

  • Die meisten Besuche bekommt Ideenecke von euch um 20 bis 22 Uhr - nachts um 4 hat hier dagegen noch niemand vorbeigesehen. An die Nachteulen unter euch: Nachholen! ;)

  • Ich hatte einen Besucher, dessen Monitor im Hochformat eingestellt war. Das kann ich bei mir auch einstellen, aber weil ich dann meinen Kopf mitdrehen muß, wird die Sitzhaltung sehr ungesund. Herzlichen Glückwunsch an einen echten Palmuser hier im Netz, für den meine Webseite so aussieht.


4.7.05

Surrealismus bei Nacht



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Gestern war ich mal wieder bis spät abends am Lernen - die nächste Informatik-Klausur steht an. Wer mich kennt, kennt auch meinen etwas seltsamen Tagesrythmus - der eigentlich eher ein Nachtrythmus ist. Solang es die Vorlesungen erlauben, stehe ich um 17-18 Uhr auf und gehe um 8-9 Uhr ins Bett.
So auch gestern abend.
Eine warme, sternklare Julinacht. Eine kleine, stickig warme Studentenwohnung mit brummendem Kühlschrank und sehr schmaler Auswahl an Grundnahrungsmitteln.
Nicht aufgeräumt, aber relativ frisch geputzt.
Inmitten des Schauplatzes: ein einsamer Student, der sich seitenweise Skriptseiten im PDF-Format auf dem Monitor durchzieht. Wie ein Kettenraucher seine Glimmstengel.
Die Stunden vergehen langsam, es wird immer heißer.
Als sich schließlich der Schweiß an den Fingerspitzen aufperlt und droht, die Tasten des Trackballs zu verkleben, kommt plötzlich Bewegung in das ruhige Ensemble.
Der Student springt genervt auf, und bringt das harmonische Chaos, gleich einem lawinenartigen Geröllbrocken, der in einen ruhigen See fällt, ins Wanken.

Auch ein stoßartiges Öffnen der Balkontür hilft wenig - obwohl schon die letzten spärlichen Fetzen am Oberkörper gewichen sind, verschafft die kühle Nachtluft auf dem Balkon nur wenig Linderung vor der allgegenwärtigen Hitze. "Ich bin nun mal ein Wintertyp, verdammt nochmal", dröhnen die Gedanken durch das kleine Zimmer.
Ein Bedürfnis nach Platz, nach Kühle wird immer stärker und füllt schließlich das gesamte Gedankenbild aus, erfüllt jeden kleinen Winkel von Vorhaben, die heute nacht noch anstehen.

Ein schneller Entschluß wird gefasst, der Rucksack ausgeleert und - zur seelischen Beruhigung - die Kamera mitgenommen. Fotografieren bei Nacht entspannt ungemein, und Entspannung ist jetzt genau das Richtige.
Noch schnell den letzten Rest des Lieblingsgetränks - eisgekühlter Pfirsichnektar, sommers wie winters - heruntergekippt, und dann endlich raus hier.

Der erste Eindruck nach dem Verlassen des Wohnungskomplexes ist reine Freiheit.
Daß die Umgebung auch merklich stiller wird, ist erst eine spätere Wahrnehmung - das ständige Gedröhn von der Party im Untergeschoß war gar nicht richtig ins aktive Bewußtsein vorgedrungen. Aber dafür ist die plötzliche Stille um so himmlischer.
Ein tiefes Durchatmen, Lichter an und mit dem Fahrrad ab nach unten.
Während der Fahrtwind um die Ohren flattert, wird ein einsamer Beschluß gefasst - es gibt in Ulm eine weite Brücke, von der man eine sehr schöne Aussicht - und auch gute Chancen auf reizvolle Fotomotive hat.
Die Idee wächst heran, sich auf diese Brücke zu setzen, die Welt sich selbst zu überlassen und einfach mal auszuspannen. Genau, man könnte ab und zu ein Foto von vorbeikommenden Autos schießen, und ansonsten im trüben Schein der Straßenbeleuchtung und dem lauwarmen Sommernachtsklima das neulich ausgeliehene Buch über den Aufbau des menschlichen Gedächtnisses lesen. Stundenlang. Einfach so, egal welchen Sinn das jetzt haben möge.

Der Berg nähert sich dem Fuß zu, alle Ampeln sind abgeschaltet, der Straßenverkehr nur noch minimal. Somit gönne ich mir den Luxus, auf die erstklassigen, aber engeren Fahrradwege zu verzichten und die normalen Fahrstreifen zu benutzen. Wieder das leichte Gefühl von Freiheit.
An der gewünschten Brücke angekommen, lasse ich mir Zeit mit der Auffahrt - heute ist nicht die passende Zeit für körperliche Verausgabungen. Oben angelangt, lasse ich meinen Blick über das weite Schienengelände schweifen - eigentlich ist es die größte Brücke Ulms, die über die Bahngleise führt. Diese sind nachts mit kontrastscharfen, orangeleuchtenden Natriumdampflampen erhellt, und zusammen mit der mondlosen Nacht ergeben sich wirklich traumhafte Motive. Die Einstellungen für meine Kamera laufen wie von selbst, und in Sekundenschnelle habe ich den passenden Ausschnitt meines Motivs im Sucher und drücke ab.
Das ist schon fast Meditation, geht es mir durch den Kopf, die fünf, zehn, fünfzehn Sekunden zu warten, bis das Bild fertig belichtet ist. Nicht auch nur ansatzweise bewegen, nur die Sinne spielen lassen. Nach zwei Aufnahmen des unter mir liegenden Areals drängt es mich aber weiter - zu meinem ursprünglichen Vorhaben.
Der Wunsch nach Stille, nach Ruhe und eigener Besinnung ist es, der mich weiter treibt, bis auf den Scheitelpunkt der Brücke. Wieder widerstehe ich dem Impuls, mit einem Höchstmaß an Kraftaufwand nach oben zu treten, und fahre die kleine Strecke gemächlich.

Und da trifft es mich - wie aus heiterem, wolkenlosem, sternklarem Himmel. Dicht am Brückengeländer, auf dem Fußgängerstreifen, am Scheitelpunkt der Brücke, sitzt ein junger Mann. Im Schneidersitz, eine Flasche Sangria neben sich stehen, ein Buch in den Händen. Seine Haltung macht den Eindruck, als säße er schon ewig auf dieser Stelle und würde auch noch eine mittlere Ewigkeit dort sitzen bleiben. Ein Bild des inneren Einklangs und der Harmonie, unter dem harten Licht der Straßenlaterne.

Ich komme mir vor wie in einem Film, in dem ich mitspiele, ohne vorher das Drehbuch gelesen zu haben. Diese gesamte Situation ist so unwirklich; meine Gedankengänge beinahe hundertprozentig exakt umgesetzt, nur nicht von mir, sondern von einem vollkommen Fremden. Vielleicht nicht einmal ein Student.
Nur ist das kein Film, das ist das reale Leben, ohne Drehbuch, ohne Regie.

"Was soll das? Das war meine Idee!", schießt es mir durch den Kopf. Aber im gleichen Moment kommt mir diese Regung schon wieder egoistisch vor - schließlich ist es sehr gut möglich, daß der Kerl genau die gleichen Gedankengänge hatte, nur offensichtlich einige Zeit vor mir auf die Ausführung gekommen ist. Schicksal.
Das sagt sich leicht, aber als konsequenter Anti-Determinist ist es mir eigentlich verwehrt, an etwas von höherer Instanz, wie das Schicksal zu glauben...

Nun gut, die Tatsachen muß man nehmen, wie sie sind. Ein Teilen des Platzes kommt nicht in Frage, das Vorhaben war von Stille, Ruhe und vor allem Einsamkeit geprägt.
Diese Brücke ist zu klein für uns Zwei, wäre der passende Spruch dazu im ebenso einsamen Wilden Westen. Also widme ich mich weiterhin den Fotos. Die Belichtung kommt gut voran, der Weißabgleich wirkt wenigstens auf dem kleinen Display natürlich, und Autos kommen auch in genügender Menge vorbeigefahren, um interessante Lichteffekte zu erzielen.
Ab und zu werfe ich einen verstohlenen Blick rüber zu dem jungen Mann, der immer noch - fast regungslos - in seiner meditativen Position verharrt, und ich beginne, immer leiser zu werden. Für jedes störende Geräusch, beginne ich zu denken, käme mir ein mißmutiger Blick von dem anderen zugeflogen.
Auf der Brücke fühle ich mich zunehmend als störendes Objekt, als Fremder. Ich glaube, zuerst den Mißmut des anderen, dann zunehmende Verachtung förmlich zu spüren.
Daher sattle ich meinen Drahtesel wieder und setze meinen Weg fort - fort, nur fort von hier.

weite BahngleiseFree Image Hosting at www.ImageShack.usFree Image Hosting at www.ImageShack.usDer Weg auf der BrückeFree Image Hosting at www.ImageShack.usFree Image Hosting at www.ImageShack.us




Epilog:
Alles in Allem sind es wirklich schöne Fotos geworden, und meine Entspannung kam auch nicht zu kurz.

Nur, im Nachhinein frage ich mich, wie die Geschichte ausgegangen wäre, hätte ich angefangen, mit dem einsamen Mann auf der Brücke zu reden...

1.7.05

Ich seh den Palm(en)-Himmel



Palm IIIc
...der Spiegel ist nicht nur im Rendering ungeputzt...


Neulich hat mich ein Beitrag im weltbesten Palmforum angeregt.
Da wurde die (scherzhaft gemeinte) Frage in den Raum gestellt, wie denn ein Zimmer aussehen würde, dessen Decke anstatt mit Tapete oder ausrangierten CDs mit voll funktionsfäigen Palm PDAs dekoriert wäre?

Tja, und da ich nun mal ein Mann der wenigen Worte bin (vorsicht: Ironie), hat mein Tatendrang kurzerhand überhand genommen und mich auf mein Fahrrad befördert.
Mit dem ging's dann ab in die Altstadt Ulm, meinen Onkel besuchen - der dort ein kleines Elektronikgeschäft betreibt. Ja, und weil dessen Ausstattung mit Palms eher urzeitlich ist, habe ich mich mit dem hiesigen Spitzenmodell begnügen müssen: einem Palm IIIc.
Ist aber ohnehin mein Lieblingspalm...

Nach etwas Überredungskunst und Erklärung meines Vorhabens durfte ich mir dann das halbe Lager mitnehmen - 25 voll funktionsfähige Palm IIIc. Mit dem Fahrrad wieder hoch in Richtung Spitze Eselsberg - übrigens 4km Strecke, 150 Meter Höhenunterschied - und gleich ans "Werkeln" gemacht.
Ausgerüstet mit einem Büro-Drehstuhl und einem Päckchen Powerstrips wollte ich schon mein Werk beginnen, als mich die nüchterne Wirklichkeit einholte.
Für 12 Quadratmeter - so klein das für eine halbe 1-Zimmer-Wohung auch ist - reichen 25 Palms einfach nicht zur kompletten Ausleuchtung.
Aber man ist ja erfinderisch, und somit wird kurzerhand ins Bad übergesiedelt.
Ab auf den Stuhl, und die schönen Organizer mehr oder weniger gleichmäßig verteilt an die Decke geklebt. Um Displaybruch zu vermeiden, habe ich übrigens die Sorte "Superstark" genommen, mir ist bei der ganzen Aktion auch kein einziger Palm zu Schaden gekommen :)
Ja, und nachdem die kleinen Geräte dann fein säuberlich befestigt waren, mußte ich gleich mal ein Beweisfoto schießen (ein Klick für größeres Bild...):

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Ein schöner Anblick! Die Displays sind übrigens immer noch die hellsten auf dem gesamten PDA-Markt, obwohl das Modell schon wieder fast 3 Jahre auf dem Buckel hat...

Aber wahrhaftig traumhaft wurde der Anblick nach dem Ausschalten meiner hochmodernen Designleuchte (made in Korea, Containerpreis vermutlich unter 20 ct pro Stück) - die kleinen Displays zaubern eine Stimmung in meine 1,8-Quadratmeter-WaschbeckenSpiegelDusche, das bisher da noch nicht einmal zu vermuten war. Ein wahrhaft romantischer Anblick!
(Stilecht darf sich der geneigte Leser jetzt "Sternenhimmel" von Hubert Kah auflegen...)

Für Palmliebhaber hatte ich mir angesichts des wunderschönen Anblicks schon überlegt, meine Idee zu vermarkten. Immerhin ist das Display vollfarbig - mit entsprechender Ansteuerung stände dann dem bewegten Mood-Light an der Decke nur noch der Entwicklungsaufwand im Wege.
Gescheitert sind meine Vorhaben dann letztendlich an den häßlichen - aber notwendigen - Ladekabeln, die an der Decke verlegt werden müßten, und dem Problem mit dem Lichtschalter. Unterputzaktionen sind leider nichts für eine Mietwohnung...
Also, noch ein Beweisfoto geschossen (übrigens sind interessante Verrenkungen nötig, um in einem derart kleinen Raum - 1,8qm! - noch einigermaßen viel Blickwinkel auf das Bild zu bekommen...):

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...wer nix sieht: Monitor hellerschalten!


...und schließlich die Palms schweren Herzens wieder abmontiert und zurück in die Innenstadt getragen.

Bonusmaterial für Palmuser: nächtlicher Palmenhimmel als Launcher-Hintergrund zum Direkt-Download.



Epilog:
Wer mir diese Story nicht ganz abnimmt oder sich für die Details des 3D-Designs interessiert, darf hier weiterlesen :p