26.8.05

Traumwandler

3. Teil


Traumhaft


Zur Theorie: Lucid Dreaming bezeichnet einen Zustand unterhalb der Wachgrenze, gleichzeitig ist der Schlaf nicht so tief wie während einer REM-Phase.
In einem Diagramm mit je einer Linie für Wach und Tiefschlaf würde dieser Zustand von unten an der Oberfläche kratzen, gerade ohne die Oberfläche zu durchbrechen. Ähnlich wie ein Fisch im Winter, auf dessen Teich sich nur eine dünne Eisschicht bildet.
Genauso wirkt ein Lucid Dream auch für die träumende Person - zerbrechlich, immer bedrohlich nah am Aufwachen. Ein sehr unruhiger Schlaf übrigens, weil es oft zum spontanen Aufwachen kommt.
Jetzt stellt sich zweifellos die Frage, wozu ist ein Lucid Dream (oder luzider Traum) eigentlich gut, wo liegt der Sinn?

Ich nehme jetzt mal eine Szene aus dem Film "Garden State" als Beispiel:
Du sitzt im Flugzeug. Economy Class, mitten auf einem Transozeanflug. Um dich herum lauter Standardtouristen. Rentner, Kinder, Mütter mit Kind, sauber gekleidete Angestellte, alles ist dabei.
Plötzlich, alles in voller Panik, ein Flugzeugabsturz. Die Sauerstoffmasken baumeln von der Decke, das Flugzeug wackelt, schüttelt die Passagiere kräftig durch. Es blitzt, eine Stewardess kämpft sich verzweifelt mit angelegter Rettungsweste durch die schreienden und heulenden Massen, eine alte Frau sitzt zusammengekrümmt vor Angst auf ihrem Sitz. Als normaler Träumer stehst du jetzt Todesängste aus, genau wie der Rest der Besatzung. Du gehst unter in dem Chaos der panischen Leute, bist gestreßt ohne Ende, tausende Gedanken über wundersame Rettungen aus brennenden Flugzeugen gehen dir durch den Kopf und hinter all dem hoffst du darauf, daß du in der Geschichte noch mit dem Leben davon kommst.
Ein klassischer Alptraum.

Der beginnende Lucid Dreamer sitzt in dem Flugzeug (in dem Film ein junger Mann namens Andrew), läßt das Chaos um sich herum an sich vorbeiziehen, beachtet weder den vorbeirauschenden Getränkewagen, noch das Höhengewitter, noch die alte Frau, die sich an seinen Arm klammert. Er stellt die Lüftung für seinen Sitz eine Kleinigkeit besser ein und wartet ab, bis die Szene vorbei ist.
Wo ist der Unterschied? Es ist nur eine kleine, aber wesentliche Differenz zwischen den beiden Träumern: Der Lucid Dreamer weiß, daß er sich in einem Traum befindet.
Verfolgungsjagden in den Wolkenkratzerschluchten Manhattans werden genauso streßfrei wie der nachmittägliche Kaffeeklatsch mit den Nachbarn, wenn man sich bewußt ist, daß man in Wirklichkeit bequem im Bett liegt und schläft. Eine wichtige Voraussetzung für einen erholsamen Schlaf - wer ist noch nicht von einem Alptraum aufgewacht und fühlte sich wie frisch gerädert? Streßfreies Träumen ist angesagt.

Diesen Ansatz kann man weiterspinnen und auf größere Bereiche als nur Alpträume ausweiten. Bei einer peinlichen Situation muß man keine Gewissensbisse hegen, alle beteiligten, schockierten und kichernden Beteiligten werden sich nach dem Aufwachen mit Sicherheit nicht an die Sachlage erinnern können. Mit diesen Sicherheiten ausgestattet, kann so ziemlich jede schwierige Traumsituation souverän gemeistert werden. Das stärkt das Selbstbewußtsein auf Dauer und wirkt sich auch positiv auf die Gesamtstimmung aus, mit der man nach dem Aufwachen den Tag beginnt - ein Stückchen selbstsicheres Auftreten wird sich auch in den Alltag hinüberretten.

Das wirkliche Potential des luziden Traums liegt aber nicht im Erkennen, sondern in der Manipulation. Es ist dein Traum! Er passiert nur in deinem Hirn, alles was du dort erlebst, hast du dir selbst ausgedacht.
Was liegt also näher, als die erschaffene Umgebung nach eigenem Belieben zu verändern? Du bist der Schöpfer - nur hast du es vergessen, während du die Hauptrolle spielst. Mit dem Bewußtsein, allmächtig zu sein, kommt man in Träumen sehr viel weiter. Der Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt - von unermesslichem Reichtum über eine eigene, glückliche Familie bis hin zu den geheimsten Wünschen oder Kindheitsträumen - alles ist erfüllbar, du mußt es dir nur vorstellen können. Natürlich können auch alle Orte, die in Träumen öfter eine Schlüsselrolle spielen, die Erinnerung aber leider nie in das Realleben hinübergerettet werden kann, relativ mühelos besucht werden.

Aber für den Anfänger gilt, Vorsicht walten ist das oberste Gebot. Gerade weil der Lucid Dream sehr nah an der Grenze zum Wachsein ist, ist die Gefahr der Schlafunterbrechung durch spontanes Aufwachen relativ groß. Das passiert dann, wenn das Gehirn sozusagen einen Regelverstoß entdeckt - der Hauptdarsteller ist hier nicht gleichzeitig als Regisseur vorgesehen.
Deshalb am Anfang mit sehr kleinen Manipulationen anfangen und einfach ausprobieren, wie weit man gehen kann, bevor das Aufwachen droht. Dafür gibt es übrigens Vorzeichen: die Umgebung wird leiser, man kann seine Gesprächspartner nicht mehr verstehen, Details verschwinden und schließlich wird alles immer dunkler. Die letzten Geräusche verblassen erst, wenn das Zimmer schon wieder wahrnehmbar ist. Der eigene Körper wird schon kurz nach dem Ausschwärzen wieder fühlbar; die Schlafparalyse läßt erst kurz darauf wieder nach. Übrigens auch nicht immer, es gibt qualvolle Fälle, in denen man sich nach einem starken Alptraum nicht bewegen kann, weil die Schlafparalyse noch nicht nachgelassen hat. Sehr unangenehmer Zustand...
Wenn die ersten Anzeichen des Aufwachens bemerkt werden, ist die beste Methode, sie zu ignorieren. Das ist wie mit einem Loch im Socken, wenn man darin herumstochert, wird es immer größer, bis schließlich der Socken nicht mehr zu gebrauchen ist. Die Konzentration möglichst auf andere Dinge lenken, und die Anzeichen des Aufwachens vergessen, das ist die sicherste Möglichkeit, doch nicht aufzuwachen.
Sollte es aber dann doch zu spät zur "Rückkehr" sein, einfach fallen lassen. Dann je nach Tageszeit entweder entspannen undnochmal versuchen oder den Körper schnell wieder unter volle Kontrolle bringen und sofort das Ergebnis notieren. Auch (und besonders) beim Lucid Dreaming ist es wichtig, sich Erfolgserlebnisse mit in die Realwelt zu nehmen und auf Papier zu notieren, sonst vergißt man sie allzuschnell wieder.
Teilweise kann die Traummitschrift, leicht aufbereitet, auch im engsten Freundeskreis weitererzählt werden - Träume sagen sehr viel über die Persönlichkeit aus, und vielleicht wird damit eine positive Facette deutlich, die andere noch nicht bemerkt haben.

Jetzt nur noch das wichtigste zum Schluß - wie geht das mit dem Lucid Dreaming überhaupt?
Der Knotenpunkt ist hierbei, sich im Traum seinen Schlafzustand bewußt zu machen. Hierfür gibt es mehrere Methoden; die klassische Vorgehensweise mit ständigem Abprüfen auf Realität oder Traum klingt zwar plausibel, aber ich bin zu vergeßlich, um das durchzuziehen. Ein paar technische Spielereien sind auch schon entwickelt worden, und sogar über die direkte Hirnstrommessungen sind angeblich schon Erfolge erzielt worden. Weil der Beitrag ohnehin schon zu lang ist und ich leider selbst noch keine Empfehlung für die effektivste Methode weitergeben kann, gibts jetzt einfach mal ein paar Weblinks für mehr Informationen.

Kommentare über eigene Erfahrungen (auch anonym) sind ausdrücklich erwünscht!

traumgrenze.de
klartraum.de
klartraum-forum.de.vu
luzidertraum.de
saar.de/~luci/Klartraum
ld4all.com (englisch, aber sehr umfangreich)
en.wikibooks.org/wiki/Lucid_Dreaming (beste Quelle)
de.wikibooks.org/wiki/Klarträumen

letzter Teil: eine persönliche Anekdote

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hm, die sache mit dem luzidem Traum kenn ich, auch wenn mir der Name bis jetzt unbekannt war =)
Bei mir endet er jedenfalls immer damit das ich hinfalle und sofort wach bin, immer noch mit dem leichten Gefühl von Angst belastet, das man hat wenn man fällt...
wie auch immer, ich glaube ich werde jetzt besser auf meine Träume aufpassen ;)

Anonym hat gesagt…

A typical dictionary definition of hypnosis states that it is: a state that resembles sleep but that is induced by suggestion. However, anyone who has tried hypnosis (and any self respecting hypnotist) will tell you that this is a very simplistic view of the subject!
A much better description comes from the Free Online Dictionary which states that hypnosis is: an artificially induced state of consciousness, characterised by heightened suggestibility and receptivity to direction. So what does this mean and how can it be used to your advantage?
Well, the subject of hypnosis has been discussed and pondered since the late 1700s. Many explanations and theories have come and gone though science, however, has yet to supply a valid and well-established definition of how it actually happens. It's fairly unlikely that the scientific community will arrive at a definitive explanation for hypnosis in the near future either, as the untapped resources of our 'mostly' uncharted mind still remain something of a mystery.
However, the general characteristics of hypnosis are well documented. It is a trance state characterized by extreme suggestibility, deep relaxation and heightened imaginative functioning. It's not really like sleep at all, because the subject is alert the whole time. It is most often compared to daydreaming, or the feeling you get when you watch a movie or read a captivating book. You are fully conscious, but you tune out most of the outside world. Your focus is concentrated intensely on the mental processes you are experiencing - if movies didn't provide such disassociation with everyday life and put a person in a very receptive state then they would not be as popular (nor would TV advertising be as effective!). Have you ever stated that a film wasn't great because you just couldn't 'get into it'???
This works very simply; while daydream or watching a movie, an imaginary world becomes almost real to you because it fully engages your emotional responses. Such mental pursuits will on most occasions cause real emotional responses such as fear, sadness or happiness (have you ever cried at a sad movie, felt excited by a future event not yet taken place or shivered at the thought of your worst fear?).
It is widely accepted that these states are all forms of self-hypnosis. If you take this view you can easily see that you go into and out of mild hypnotic states on a daily basis - when driving home from work, washing the dishes, or even listening to a boring conversation. Although these situations produce a mental state that is very receptive to suggestion the most powerful time for self-change occurs in the trance state brought on by intentional relaxation and focusing exercises. This deep hypnosis is often compared to the relaxed mental state between wakefulness and sleep.
In this mental state, people feel uninhibited and relaxed and they release all worries and doubts that normally occupy their mind. A similar experience occurs while you are daydreaming or watching the TV. You become so involved in the onscreen antics that worries and everyday cares fade away, until all you're focused on is the TV. In this state, you are also highly suggestible. That is why when a hypnotist tells you do something under trance; you'll probably embrace the idea completely. However, your sense of safety and morality remain entrenched throughout the experience and should either of these be threatened you immediately wake!
A hypnotist can not get you to do anything you don't want to do.
So while in such a state, when we are highly suggestible and open to new beliefs, a skillful hypnotist, whether in person or via a recording, can alter life-long behaviours and even give us new ones! lucid dreaming