10.8.09

Umstieg



Win7 Window


Nachdem der Vista-Nachfolger in der Netzwelt einiges an Beliebtheit gewonnen hat, wollte ich mir Windows 7 doch auch mal genauer ansehen.
Da ich mir wegen des unverhältnismäßigen Ressourcenverbrauchs geschworen hatte, niemals von XP auf Vista umzusteigen, hatte ich beinahe keinen Kontakt mit der neuen Benutzeroberfläche.
Computerbenutzer bewerten Ungewohntes gerne negativ (man frage nur einen beliebigen Umsteiger von Office 2003 auf 2007), was einen Wechsel des Betriebssystems lange über die vernünftige Zeit hinweg verhindert. Diese Haltung verschonte mich vor einigen Vista'schen Nervereien wie der Benutzerkontensteuerung, aber entzog mir auch ein gewisses Maß an möglichem Komfort.

Wieso habe ich Windows 7 eine Chance gegeben?
+ Haupt-Überzeugungsgrund war sicherlich Office 2007. Mit diesem Stück Software hat Microsoft gezeigt, daß sie intuitives Design beherrschen, wenn sie wollen.
+ Die Taskleiste mit textfreien Icons ist eine extrem gute Idee. Gerade auf meinem kleinen Monitor hatte ich immer Platzprobleme mit der Taskleiste. In Windows 7 werden Programme gleichzeitig platzsparend und übersichtlich angeordnet. Das Startmenü nutze ich seit Ewigkeiten nicht mehr: es braucht zuviele Klicks, um ein Programm zu finden.
+ Microsoft hat Fachkräfte dafür eingestellt, das Betriebssystem weniger "nervig" zu machen. Das sorgt potentiell für stressfreieres Arbeiten. Dazu sollte das System schneller und ressourcenschonender sein als Vista.
+ In den letzten 8 Jahren hat sich auch einiges in der Ästhetik getan. Ein System, vor dem ich den Großteil meiner Zeit verbringe, sollte auch elegant aussehen.

Gegen einen Komplettumstieg sprach natürlich einiges:
- Windows 7 ist noch sehr jung. Wenn Microsoft von "Release Candidate" spricht, heißt das offiziell "frühe Beta". Mit unberechenbarem Verhalten und Geschwindigkeitsproblemen muss man erfahrungsgemäß rechnen.
- Dank der Treibersignierung wird es sehr schwer, für "alte" Hardware (2005 ist in etwa das untere Limit) noch Vista-Treiber zu finden.
- Sind meine Programme überhaupt Vista-geeignet?

Daher habe ich die öffentliche (7100er) Beta ausgepackt und auf ein freies Stückchen Platte installiert, ohne die XP-Partition anzutasten. Es gab einige Überraschungen:
+ Die Installation läßt sich direkt in XP starten - sehr positiv, wenn man keinen DVD-Brenner zur Hand hat.
+ Es beginnt mit allen wichtigen Fragen, erklärt auftretende Probleme und läuft dann in einem Stück durch - ohne Dialogfelder, die dazwischen den Betrieb aufhalten.
+ Die Systemsteuerung ist eigentlich übersichtlich. Als XP-User ist es zwar unmöglich, etwas schnell zu finden. Allerdings macht, ehrlich betrachtet, eine alphabetische Sortierung weniger Sinn als die Einteilung in 7 Kategorien.
+ Der Explorer ist viel komfortabler. Die Favoriten sind eine großartige Idee - ich bewege mich ohnehin meistens in drei, vier Ordnern. Jede Datei kann eine Bewertung in Sternen bekommen - auch Dateien, die iTunes nicht abspielen kann.
+ "Ordner" sind viel flexibler. Eigene Dateien lassen sich aus mehreren Ordnern zusammenbauen und die Suche auf einen bestimmten Dateityp optimieren. Ach ja.
+ Die Windows-Suche ist um drei bis vier Welten besser geworden. Nicht nur, weil sie schneller und leichter funktioniert, sondern weil überall ein Suchfeld steht. Und zwar zumeist da, wo ich bisher recht oft einen Anfangsbuchstaben gedrückt habe, um eine bestimmte Datei zu finden.
+ Mein Grafik-Chipsatz wird gerade nicht mehr unterstützt. Auf dem Laptop ist so etwas sehr ärgerlich, denn Nachrüsten ist keine Alternative. Entgegen meinen Erwartungen sieht das "simulierte" Aero aber nicht schlecht aus, und Video- und 3D-Beschleunigung funktionieren mit den XP-Treibern anstandslos.
- Microsoft hat mit Vista die Hardlinks (Symlinks, Junction Points) entdeckt. Wem egal ist, wie sein Windows unter der Haube funktioniert, wird das nicht sehr auffallen. Allerdings habe ich XP gnadenlos ausgenutzt und die Systempfade mit Hardlinks auf verschiedene Partitionen geleitet - ohne dass XP etwas davon merkte (z.B. sind alle Tempverzeichnisse zusammengelegt). Mit Windows 7 wird eine solche Bastelei deutlich schwieriger, weil das System selbst sehr viele, zum Teil sogar kreisförmige Hardlinks anlegt. Mir fehlt dabei ein Werkzeug, mit dem ich bestehende Hardlinks bearbeiten kann.
+ Unter der Haube, also was Registry und Lokale Einstellungen betrifft, sind sich die Systeme so ähnlich, daß sich die Einstellungen von allem Programmen problemlos portieren lassen.
+ Programme funktionieren einfach. Das ist ein Vorteil der Vista-Basis - inzwischen hatten die Entwickler schon wieder einige Jahre Zeit, ihre Programme Vista-kompatibel zu schreiben. Die allermeisten meiner Programme (im Gegensatz zum Betriebssystem) sind nicht älter als 2 Jahre und damit problemlos auf Windows 7 lauffähig. Aber auch sehr alte Software (Photo Impact 4.2, anno 1998, immer noch im Dauereinsatz) läuft ohne Probleme.

Alles in Allem bin ich extrem positiv überrascht und habe gerade die XP-Partition auf das Abstellgleis geschickt. Es wird sehr deutlich, daß Microsoft aus den Fehlern von Vista gelernt hat und gegenüber XP nicht nur Augenwischerei bietet, sondern echten Mehrwert liefert. Ob das allerdings den enormen Kaufpreis wert ist, werde ich entscheiden, sobald die Beta-Phase abläuft.

Achso: Mein nächster Rechner wird trotzdem ein Mac.

Kommentare:

carafaja hat gesagt…

Was habt Ihr bloß immer mit den Mac's? Der Wunsch, einer bevormundenden Firma zu enfliehen kann es ja nicht sein.

goocy hat gesagt…

Stabile Open-Source-Basis (mit einem festen Berechtigungssystem bis zur untersten Basis) ist schonmal ganz nett für ein Betriebssystem - vor allem, wenn der Kern schon 20 Jahre Entwicklung hinter sich hat.
Dazu gönne ich mir den Komfort der Apple Interface Guidelines. Die sorgen dafür, daß ich die Funktionen finde, die ich brauche - und das Ganze auch noch schön aussieht.