19.8.09

Weltkarte



Im Moment verschwende ich meine Freizeit mit einem textbasierten, kostenlosen Online-Rollenspiel - Improbable Island. Wie der Name schon andeutet, gibt es das bisher nur auf Englisch - aber das Spiel wird von einer kleinen Gruppe fantastischer Programmierer betreut und ist seit 2006 immer noch am Wachsen. Es gibt jede Menge absurden Humor und unglaublich viele Details zu entdecken, aber ich bin regelrecht in der Storyline gefangen. Die Kombination von post-apokalyptischer Dystopie und Steampunk-Technologie stand bisher ganz oben auf meiner literarischen Wunschliste. Mehr oder weniger elegant, aber mit viel Liebe zum Detail haben es die Autoren geschafft, diese beiden Epochen einigermaßen zu kombinieren. Aber in dieser Story geht es nicht um literarische Stilblüten, sondern einfach nur um Spaß und Selbstironie. So läuft man beispielsweise, kann man sich die billigste aller Rüstungen leisten, erst einmal ein paar Tage in rosa Hasenkostüm herum und kämpft mit einem Brotmesser.

Da es einiges an Landschaft zu erkunden gibt, setzte ich mich also in Bewegung, mit dem Ziel, geheime Stellen zu finden. Nach recht kurzer Zeit war ich dann enttäuscht, eine so kleine Weltkarte vorzufinden. Allerdings machte das mein Vorhaben auch erst möglich - alle Pixel auf der Webseite einzeln auf ein kleines Bitmap zu pinseln. Aus dem winzigen Bitmap wurde dann eine größere Karte. Um etwas Tiefe zu bekommen, malte ich eine Höhenkarte mit Tälern und Gebirgszügen. Dann folgten die Konturen der verschiedenen Oberflächen, dann die Texturen, dann der Flusslauf, dann noch einige Details...
Da ich ständig die Namen der Städte vergaß, dachte ich mir passende Symbole für jede einzelne aus, erstellte eine Legende und sah, daß auf meiner Karte die Flusswindungen zum Teil bergauf flossen. Die zweite gemalte Höhenkarte lief dann durch ein Erosionsprogramm, so dass der Fluss seinen natürlichen Lauf nehmen konnte. Schöner Nebeneffekt: realistische Höhenlinien, wie man sie von einer Wanderkarte erwartet. Bisheriger Arbeitsaufwand: 2 Nächte. Letztendlich hatte ich noch ein paar Stunden bis zum Sonnenaufgang und programmierte einen Routenplaner für Matlab, um mir die leichteste Wanderstrecke zwischen allen Städten anzuzeigen. Das wurden dann die Trampelpfade auf der Karte...

Die ganze Karte ist auf Deviantart.com zu sehen. Wenn ihr selbst mal in das Spiel blicken wollt, würde ich schwer zum Herunterladen der Karte raten. Sie ist frei kopierbar und bietet neben einem grandiosen Überblick über die Spielwelt auch noch einen kleinen Augenschmaus - zumindest gegenüber der Spielgrafik.
Viel Spaß!

15.8.09

Picasa Pro Tricks






Nach vieljähriger Nutzung von Picasa würde ich immer noch behaupten, daß es das schnellste und sinnvollste kostenlose Bildverwaltungsprogramm auf dem Markt ist.
Weil es so schnell ist (Echtzeitvorschau für alle Filter), versuche ich auch, soviel Bildbearbeitung wie möglich in Picasa zu erledigen.
Dabei fallen dem Amateur gegenüber professionelleren Programmen einige Beschränkungen auf - ein Recovery-Regler oder eine funktionierende Nachschärfung wären schön.

Was man allerdings mit etwas Kreativität mit den bestehenden Reglern anstellen kann, stelle ich hier vor.

Trick 1: Der perfekte Weißabgleich


Das Original

Ein durchschnittlich miserabler Weißabgleich dank Misch-Kunstlicht.



Farbtemperaturregler: schlecht

Egal wie man den Regler stellt, der Reis wird irgendwie nie ganz weiß.



Auto Color: mittelmies

Sieht besser aus, hat aber immer noch Blaustich. Vielleicht nochmal mit dem Temperaturregler...?



Farberhaltung: gut

Man wähle im Tab "Effekte" die Farbtönung und sehe das Bild in Blassblau verschwinden. Der Trick ist, keine Farbe auszuwählen, sondern den Farberhaltungsregler ganz nach oben zu schieben. Damit erhält das Bild die neutralst mögliche Tönung, die Picasa zu bieten hat.



Trick 2: Nondestruktive Farbsättigung


Das Original

Ein typisches Abendfoto. Nur der Himmel ist in der Erinnerung deutlich farbenfroher...



Sättigung: schlecht

Normalerweise wird die Farbstärke über den Effektregler "Sättigung" angepasst. Allerdings zerstört dieser oft einen Farbkanal: hier entstehen dadurch blaue Farbflecken.



Belichtungsregler: besser

Abhilfe schafft dieser Trick: In der Belichtungskorrektur den "Aufhellen"- und "Schatten"-Regler genau gleich stark einstellen. Je höher die beiden Regler, desto stärker die Sättigung - ohne zerstörte Farbkanäle und bei gleicher Belichtung.

Für eine wirklich gute Sättigungsreglung muss leider ein vollwertiges Bildbearbeitungsprogramm herhalten - zu allem kann ich Picasa leider nicht zwingen.

12.8.09

Chaosradio



Freibeuter


Weil ich schon seit Anbeginn der Zeiten bei Chaosradio Express mit-lausche (und weil der Produzent, Tim Pritlove, zusätzliches Bonusmaterial versprochen hat) muss dieser Podcast mal offiziell hochgelobt und gepriesen werden.

Jede Folge ein Experteninterview - und das nicht zu knapp: ein Gespräch liegt zwischen 80 und 160 Minuten. Der Schwerpunkt liegt auf der Informatik - somit erfährt man da, warum FPGA's so praktisch sind oder die Geschichte der E-Mail.

Aber auch Laien sollten sich herantrauen: In letzter Zeit gab es auch grandiose Folgen zum Thema Kaffee, Retrofuturismus und Piraten!

Aber das Beste daran: Tim produziert wie ein Wilder, und mit mindestens einem Interview pro Woche geht mir das Hörmaterial nie aus.

PS: Dieser Post wurde im Namen des Weltfriedens geschrieben und hat die Nummer 71. Mein Vorgänger ist die 70, und wieso mein Nachfolger CRE hört, steht hier geschrieben.

10.8.09

Umstieg



Win7 Window


Nachdem der Vista-Nachfolger in der Netzwelt einiges an Beliebtheit gewonnen hat, wollte ich mir Windows 7 doch auch mal genauer ansehen.
Da ich mir wegen des unverhältnismäßigen Ressourcenverbrauchs geschworen hatte, niemals von XP auf Vista umzusteigen, hatte ich beinahe keinen Kontakt mit der neuen Benutzeroberfläche.
Computerbenutzer bewerten Ungewohntes gerne negativ (man frage nur einen beliebigen Umsteiger von Office 2003 auf 2007), was einen Wechsel des Betriebssystems lange über die vernünftige Zeit hinweg verhindert. Diese Haltung verschonte mich vor einigen Vista'schen Nervereien wie der Benutzerkontensteuerung, aber entzog mir auch ein gewisses Maß an möglichem Komfort.

Wieso habe ich Windows 7 eine Chance gegeben?
+ Haupt-Überzeugungsgrund war sicherlich Office 2007. Mit diesem Stück Software hat Microsoft gezeigt, daß sie intuitives Design beherrschen, wenn sie wollen.
+ Die Taskleiste mit textfreien Icons ist eine extrem gute Idee. Gerade auf meinem kleinen Monitor hatte ich immer Platzprobleme mit der Taskleiste. In Windows 7 werden Programme gleichzeitig platzsparend und übersichtlich angeordnet. Das Startmenü nutze ich seit Ewigkeiten nicht mehr: es braucht zuviele Klicks, um ein Programm zu finden.
+ Microsoft hat Fachkräfte dafür eingestellt, das Betriebssystem weniger "nervig" zu machen. Das sorgt potentiell für stressfreieres Arbeiten. Dazu sollte das System schneller und ressourcenschonender sein als Vista.
+ In den letzten 8 Jahren hat sich auch einiges in der Ästhetik getan. Ein System, vor dem ich den Großteil meiner Zeit verbringe, sollte auch elegant aussehen.

Gegen einen Komplettumstieg sprach natürlich einiges:
- Windows 7 ist noch sehr jung. Wenn Microsoft von "Release Candidate" spricht, heißt das offiziell "frühe Beta". Mit unberechenbarem Verhalten und Geschwindigkeitsproblemen muss man erfahrungsgemäß rechnen.
- Dank der Treibersignierung wird es sehr schwer, für "alte" Hardware (2005 ist in etwa das untere Limit) noch Vista-Treiber zu finden.
- Sind meine Programme überhaupt Vista-geeignet?

Daher habe ich die öffentliche (7100er) Beta ausgepackt und auf ein freies Stückchen Platte installiert, ohne die XP-Partition anzutasten. Es gab einige Überraschungen:
+ Die Installation läßt sich direkt in XP starten - sehr positiv, wenn man keinen DVD-Brenner zur Hand hat.
+ Es beginnt mit allen wichtigen Fragen, erklärt auftretende Probleme und läuft dann in einem Stück durch - ohne Dialogfelder, die dazwischen den Betrieb aufhalten.
+ Die Systemsteuerung ist eigentlich übersichtlich. Als XP-User ist es zwar unmöglich, etwas schnell zu finden. Allerdings macht, ehrlich betrachtet, eine alphabetische Sortierung weniger Sinn als die Einteilung in 7 Kategorien.
+ Der Explorer ist viel komfortabler. Die Favoriten sind eine großartige Idee - ich bewege mich ohnehin meistens in drei, vier Ordnern. Jede Datei kann eine Bewertung in Sternen bekommen - auch Dateien, die iTunes nicht abspielen kann.
+ "Ordner" sind viel flexibler. Eigene Dateien lassen sich aus mehreren Ordnern zusammenbauen und die Suche auf einen bestimmten Dateityp optimieren. Ach ja.
+ Die Windows-Suche ist um drei bis vier Welten besser geworden. Nicht nur, weil sie schneller und leichter funktioniert, sondern weil überall ein Suchfeld steht. Und zwar zumeist da, wo ich bisher recht oft einen Anfangsbuchstaben gedrückt habe, um eine bestimmte Datei zu finden.
+ Mein Grafik-Chipsatz wird gerade nicht mehr unterstützt. Auf dem Laptop ist so etwas sehr ärgerlich, denn Nachrüsten ist keine Alternative. Entgegen meinen Erwartungen sieht das "simulierte" Aero aber nicht schlecht aus, und Video- und 3D-Beschleunigung funktionieren mit den XP-Treibern anstandslos.
- Microsoft hat mit Vista die Hardlinks (Symlinks, Junction Points) entdeckt. Wem egal ist, wie sein Windows unter der Haube funktioniert, wird das nicht sehr auffallen. Allerdings habe ich XP gnadenlos ausgenutzt und die Systempfade mit Hardlinks auf verschiedene Partitionen geleitet - ohne dass XP etwas davon merkte (z.B. sind alle Tempverzeichnisse zusammengelegt). Mit Windows 7 wird eine solche Bastelei deutlich schwieriger, weil das System selbst sehr viele, zum Teil sogar kreisförmige Hardlinks anlegt. Mir fehlt dabei ein Werkzeug, mit dem ich bestehende Hardlinks bearbeiten kann.
+ Unter der Haube, also was Registry und Lokale Einstellungen betrifft, sind sich die Systeme so ähnlich, daß sich die Einstellungen von allem Programmen problemlos portieren lassen.
+ Programme funktionieren einfach. Das ist ein Vorteil der Vista-Basis - inzwischen hatten die Entwickler schon wieder einige Jahre Zeit, ihre Programme Vista-kompatibel zu schreiben. Die allermeisten meiner Programme (im Gegensatz zum Betriebssystem) sind nicht älter als 2 Jahre und damit problemlos auf Windows 7 lauffähig. Aber auch sehr alte Software (Photo Impact 4.2, anno 1998, immer noch im Dauereinsatz) läuft ohne Probleme.

Alles in Allem bin ich extrem positiv überrascht und habe gerade die XP-Partition auf das Abstellgleis geschickt. Es wird sehr deutlich, daß Microsoft aus den Fehlern von Vista gelernt hat und gegenüber XP nicht nur Augenwischerei bietet, sondern echten Mehrwert liefert. Ob das allerdings den enormen Kaufpreis wert ist, werde ich entscheiden, sobald die Beta-Phase abläuft.

Achso: Mein nächster Rechner wird trotzdem ein Mac.